Gerade für Web-Entwickler gehört Lesen und Schreiben zum Arbeitsalltag. 
Recherche über neue Themen, neue Programmiersprachen erlernen oder ein Buch zum neuen Software-Update lesen, das nicht selten den Umfang einer Bibel hat, ist für uns normal. Desto wichtiger ist es, möglichst viele Informationen aufzunehmen und diese auch dauerhaft zu verinnerlichen. 


Speedreading oder auch Schnelllesen steht für die Fähigkeit, Informationen aus Texten schneller als der Durchschnittsleser aufzunehmen.

Für verschiedene Texte und Zwecke werden hierbei verschiedene Methoden angewandt.

 

  • Einleitung
  • Die 3 Hauptlesefehler
  • Die Tricks des schnellen Lesens
  • Die richtige Lesetechnik
  • Was das Schnelllesen begünstigt

Richtig lesen lernen

Ich möchte damit beginnen, Ihnen die 3 Hauptlesefehler zu erläutern, die ein schnelles Lesen verhindern. Diese haben wir uns während der Schulzeit, als wir das Lesen erlernten, antrainiert – Damals waren sie sinnvoll um das Lesen überhaupt zu lernen. Heute sollten Sie lernen diese „schlechten“ Lesegewohnheiten wieder abzulegen, da sie Sie nur unnötig aufhalten.

Lesegeschwindigkeit online ermitteln

Die 3 Hauptlesefehler

Subvokalisierung (unterschwelliges Mitsprechen / Mithören)

Durch das ständige Subvokalisieren während des Lesens, drosseln wir unsere Lesegeschwindigkeit unnötig, da wir diese automatisch an unsere Redegeschwindigkeit anpassen.
Unser Gehirn ist jedoch in der Lage viel schneller Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten als wir diese aussprechen können. Beginnen Sie daher bewusst damit, möglichst wenig mit zu sprechen beim Lesen.

Sie werden und sollen es nicht ganz abstellen. Im Gegenteil. Für schwierige Wörter ist das Mitsprechen sogar ein wichtiger Faktor um den Sinn zu begreifen. Versuchen Sie ansonsten aber Ihre “innere Stimme“ zu drosseln.


Regressives Lesen (Zurückspringen im Text)

Haben Sie schon einmal bemerkt, dass Sie beim Lesen häufig mit Ihren Gedanken abschweifen und dann im Text wieder zurückspringen müssen an die Stelle, an der Sie den Faden verloren haben? Dies liegt daran, dass Sie Ihr Gehirn unterfordern!  Sich tatsächlich voll auf einen Text zu konzentrieren, ist schwerer als man vermuten mag. Das Zurückspringen kostet viel Zeit und diese wollen wir ja schließlich einsparen. Wie können wie also verhindern, dass unsere Gedanken abschweifen? Ganz einfach: Wenn Sie merken, mit Ihren Gedanken abzuwandern, lesen Sie schneller. Auch wenn Sie Angst haben, Sie könnten vielleicht etwas Wichtiges dabei verpassen, tun Sie es einfach. Sie werden bemerken, dass Ihre Gedanken bei den Textinhalten bleiben. Letztendlich werden Sie dadurch nicht nur schneller lesen, sondern auch mehr vom Text behalten.


Eingeengter Blickfokus

Jeder Mensch lernt zu allererst das Alphabet. Darauf folgen dann einfache kurze Wörter. Ich für meinen Teil lernte Lesen mit Fara und Fu, 2 Handpuppen, dessen Namen wir schreiben lernten. Erst „Fu“, dann „Fara“, dann „Fara und Fu“ usw. (sicherlich dem ein oder anderen ein Begriff). Darauf folgten Wörter die immer länger wurden, wie Mama oder Papa. Die ersten Jahre also lasen Sie Buchstabe für Buchstabe um das Wort als Ganzes zu verstehen.
Etwa M – A – M – A und P – A – P – A.  Damals war das Erfassen einzelner Buchstaben notwendig um die ersten Wörter und deren Schreibweise zu erlernen. Heute sind Sie jedoch auf einem anderen Level und dennoch lesen Sie auch heute noch unnötig viele Buchstaben, obwohl Sie eigentlich in der Lage sind, den Sinn des Wortes „Mama“, auf einen Blick zu verstehen. Achten Sie einmal bewusst beim Lesen darauf, wie viele Buchstaben Sie unnötigerweise fixieren um das Wort zu lesen.

Die Tricks des schnellen Lesen

Ich werde Ihnen hier nun die effizientesten Methoden des schnellen Lesens erläutern.
Es sind 5 einzelne Schritte, die Ihre kompletten Lesegewohnheiten auf den Kopf stellen und Sie mindestens um das 2,5 fache schneller lesen lassen werden.

Zwischendurch werde ich auf praktische Übungen verweisen, um Ihnen die Chance zu geben, das in der Theorie gelernte, direkt in die Praxis umzusetzen.


Erfassen von Sinngruppen: 
(Von Buchstaben zu Wörtern, von Wörtern zu Sinngruppen)

Während des Lesens fixieren wir diverse Male einzelne Buchstaben und Wörter an.
Dies geschieht so schnell (etwa ¼ Sekunde),  dass der normale Leser es kaum wahrnimmt.
Dieses Anhalten nennt man auch „Blickstopps“. Wie bereits erwähnt, kommt dieses ständige Anhalten aus unserer Grundschulzeit, in der wir das Lesen gelernt haben.
Diese Angewohnheit müssen Sie versuchen sich langsam wieder abzugewöhnen.

Die nachfolgende Grafik verdeutlicht, inwiefern sich die Blickstopps auf Ihre Lesegeschwindigkeit auswirken.

Lesegeschwindigkeit im Zusammenhang mit Blickstopps:

Grafik folgt

Der Blickfokus ist hierbei nicht auf die genaue Stelle des Striches beschränkt.

Wie Sie sehen, sind die Zeitunterschiede enorm und variieren von 28 Sekunden bis zu 2 ½ Sekunden.

Sie können Ihre Augen trainieren, ganze Wortgruppen statt einzelne Buchstaben oder Wörter zu erfassen.

Dies wird von folgenden Faktoren enorm begünstigt:

  • Eine Entfernung von 35-40 Zentimetern zum Text einhalten. (Dies kann je nach Ihrer  Sehschärfe natürlich variieren)
  • Möglichst in einem Winkel von 45° auf den zu lesenden Text schauen.
  • Ihr peripheres Sehen trainieren. (Übung 1)
  • Bei guter und vor allem gleichmäßiger Beleuchtung lesen.

Üben Sie ganze Wortgruppen zu fixieren:

Versuchen Sie einmal auf einen Blick diese Wortgruppe zu erfassen:

speedreading-wortgruppen

Es ist eine Selbstverständlichkeit des Auges, solch eine Wortgruppe auf einmal ganz erfassen zu können. Zumindest, wenn Sie den richtigen, individuellen Abstand einhalten!

Versuchen Sie jetzt, im Gegensatz dazu, einmal „wie gewohnt“ zu lesen:

speedreading-eine-ganze-wortgruppe

Die Erfassung von Wortgruppen ist daher enorm wichtig für die Optimierung Ihrer Lesegeschwindigkeit. Strengen Sie sich jetzt nicht zu stark an, nur noch Wortgruppen zu sehen, dies würde nur zum Gegenteil führen.

Um Ihre Augen ideal auf Wortgruppenerfassung einzustellen müssen Sie vor allem entspannt sein. Es gehört etwas Übung dazu. Fangen Sie damit an, eine Wortgruppe einfach nur zu erfassen und nicht den Sinn dahinter verstehen.


Wortgruppen erfassen – Übung 1

Entspannen Sie sich jetzt und versuchen Sie mit einem Blick die folgenden Wortgruppen zu erfassen und nicht Ihren Blick hin und her springen zu lassen.

Общая лексика

читать лекции

ложиться с курами

Нецкий русский

сравнении как

запросу найдено

Что значит

Как произносится

Merken Sie, wie einfach es Ihnen fällt eine ganze Wortgruppe zu erfassen, sobald Sie nicht wie gewohnt versuchen, einzelne Buchstaben zu fokussieren?
Wiederholen Sie die Übung, sollten Sie noch immer mit Ihren Augen hin und her gesprungen sein und gehen Sie erst dann über zur nächsten Übung.


Wortgruppen erfassen – Übung 2

In der folgenden Übung sind die Wortgruppen gespickt mit Informationsfetzen, die Sie kennen.
Versuchen Sie wider der Natur des “erkennen Wollens” einfach nur die Wortgruppe zu erfassen und nicht den Sinn der Wörter zu verstehen.

An Общая лексика gingen

Natürlich  лекции einfach

Trotzdem ложиться Sinn

Lassen Нецкий русский

Es сравнении как Vorteile

Die запросу найдено Zukunft

So auch Что значит

Wie Как произносится

Wahrscheinlich wird Ihnen dies schon etwas schwerer als die Übung 1 gefallen sein. Man versucht automatisch Wörter und deren Sinn zu erkennen.
Probieren Sie auch diese Übung noch ein Zweites und Drittes Mal bevor Sie letzendlich zur letzten Wortgruppenübung übergehen.


Wortgruppen erfassen – Übung 3

In dieser Übung werden Sie ein weiteres Mal aufgefordert, nicht die Sätze zu lesen und zu verstehen, sondern lediglich zu erfassen.
Wenn Sie bemerken, dass Sie die Sätze lesen, fangen Sie von vorne an. Es ist von enormer Wichtigkeit, dass Sie die Technik der Wortgruppenerfassung beherrschen.

Ein letztes Mal

Konzentration ist hier verkehrt

Nicht lesen, nur sehen

Lesen Sie schon

Grüße an alle die mich kennen

Eine großartige Sache

Einmal tief durchatmen

Wahre Realität gibt es nicht


Interpunktion – Sinngruppen durch Satzzeichen

Ein sehr wichtiger Bestandteil beim Erfassen von Sinngruppen ist die Interpunktion (Satzzeichen).
So können Sie das Ende oder einen Anfang einer Sinngruppe an einem Satzzeichen erkennen.

Zum Beispiel:

… Es schneite unaufhörlich, sodass viele zu spät  kamen…

Dabei können Sie leicht mit Ihrem peripheren Sehen noch Satzzeichen wie Punkte oder Kommas wahrnehmen, ohne diese fokussieren zu müssen.
Da nicht jeder Text mit Satzzeichen versehen ist, müssen wir uns noch eines weiteren Tricks behelfen, indem wir versuchen Substantive aus dem Text zu erfassen.
Diese sind prädestiniert dafür, da sie, zumindest in der deutschen Sprache, groß geschrieben werden.
Beachten Sie, dass ein Substantiv viel mehr als Ende als ein Anfang einer Sinngruppe gesehen werden sollte, da die beschreibenden Präpositionen, Adjektive oder Artikel meist davor stehen.

Ein Beispiel:

… alles hat seinen Anfang …

Suchen Sie nicht wie wild nach Substantiven im Text, aber behalten Sie dies als wertvollen Tipp in Ihrem Hinterkopf.

Passen Sie Ihre Lesetechnik dem Text an

Es gilt beim schnellen Lesen nicht einfach nur stur die hier gelernten Inhalte anzuwenden.
Viel wichtiger ist es, die richtigen Techniken für den Text, den Sie vor sich haben anzuwenden.

So ist es etwas anderes, ob Sie ein Fachbuch lesen oder einen Roman.
In einem Roman werden viele Ihnen bekannte Wörter vorkommen, sodass Sie viel schneller Wort- und Sinngruppen erfassen können, als bei einem Sachtext mit Fachwörtern, die Ihnen größtenteils fremd sind.

Ich zeige Ihnen nun verschiedene Techniken, mit denen Sie den verschiedene Arten von Texten am besten begegnen.


Scanning

Wenn Sie einen besonders umfangreichen Text vor sich haben, aus dem Sie nur einzelne Informationen benötigen, eignet sich am besten die Methode des “Scannings” dafür.
Sinnvoll ist es hier sich vorher bestimmte Schlüsselwörter oder Zeichen zu setzen, nach denen dann gezielt “gescannt” wird.
Versuchen Sie sich dafür vorzustellen, wie das gesuchte Wort geschrieben aussieht.
Gehen Sie den Text nicht Zeile für Zeile durch, sondern finden Sie Ihre individuelle Art wie Sie am besten suchen.
Manche lesen Zick Zack, Absätze, von oben nach unten… probieren Sie aus, was am besten für Sie funktioniert.

Skimming

Beim “Skimming” oder auch einfach “Überfliegen” erfassen Sie Wortgruppen Zeile für Zeile nur visuell, ignorieren dabei aber die Details.
Dies ist eine gute Möglichkeit um beispielsweise ein Taschenbuch zu lesen. Behalten Sie dabei einen weichen und entspannten Blickfokus. Lesen Sie vor allem vorwärts und springen Sie nicht zurück, auch wenn Sie das Gefühl haben etwas verpasst zu haben, dies ist nicht weiter schlimm und Teil des “Skimmens”. Die Botschaft beziehungsweise die Kernaussage bleiben Ihnen auf jeden Fall erhalten. So werden Sie sich an den Inhalt der Geschichte genauso gut erinnern, wie jemand der für das Buch drei oder vier Mal so lange gebraucht hat!

Paragraphing

Beim “Paragraphing” oder “Absatzlesen” geht es darum, die Kernaussage eines (gut strukturierten) Textes dadurch schnell zu erfassen, indem Sie wissen, wo die Kernaussage steht.

So steht beispielsweise in den meisten Zeitungsartikeln am Anfang fett-gedruckt eine Einleitung zum Thema.
Mehrere Absätze darauf folgen nähere Beschreibungen und am Ende gibt es ein Resumee.
Lesen Sie den ersten Absatz komplett und die folgenden Absätze nur anfänglich. Sie können auch eine Kombination aus Scanning oder Skimming (je nach Text) probieren und  erst dann das Ende, das Resumee. lesen. Sollten Sie in den Absätzen dazwischen auf etwas Interessantes gestoßen sein, gehen Sie ruhig tiefer auf den Text ein und lesen Sie die Textpassage vollständig. Achten Sie danach jedoch wieder darauf  zu skimmen oder zu scannen und vor allem vorwärts zu lesen. Vermeiden Sie regressives Lesen!

Diese Technik funktioniert nur, wenn der Text auch wirklich so aufgebaut ist wie beschrieben. Hat er eine Einleitung? Einen näher beschreibenden Mittelteil und am Ende ein Resumee? So fühlen Sie sich frei, wie beschrieben vor zu gehen.

Hier ist eine Möglichkeit, wie Sie vorgehen können, wenn Sie einen Sachtext lesen möchten.

  • Verschaffen Sie sich einen ersten Eindruck. Überschriften, fett Gedrucktes oder sich wiederholende Wörter fallen auf und sind wichtig.
  • Skimmen Sie die Einleitung und das Resumee.
  • Paragraphing der restlichen Teile des Textes mit gleichzeitigem scannen, von wichtigen Wörtern.
  • Nehmen Sie letzte Schlüsselbegriffe bewusst wahr. Probieren Sie sich einen Überblick über die Informationen und die Kernaussage im Text zu verschaffen.

Was das Schnelllesen begünstigt:

  • Vorausschauend lesen. Überlegen Sie sich, welche Lesestrategie Sie für Ihren Text anwenden wollen. Wir unterscheiden zwischen einer Vielzahl von Texten, die wir alle anders lesen.
    Haben Sie einen Sachtext vor sich? Einen Zeitungsartikel oder lesen Sie ein Taschenbuch?
  • Erweitern Sie Ihren Wortschatz. Je mehr Fremd- und andere Wörter Sie kennen, desto schneller nehmen Sie den Sinn des Wortes beim Erfassen von Sinngruppen wahr.
  • Pausieren Sie richtig. Schnelles Lesen und gutes Verstehen fordern eine Menge Konzentration. Wenn Sie hoch konzentriert lesen, sollten Sie alle 15 Minuten eine kurze Pause einlegen. Bewegen Sie sich etwas und machen Sie Entspannungsübungen für Ihre Augen. Reflektieren Sie in Gedanken noch einmal das eben Gelesene und machen Sie sich erholt wieder ans Lesen.

Am Anfang habe ich Ihnen empfohlen Ihre Lesegeschwindigkeit zu ermitteln.
Probieren Sie es doch jetzt noch einmal und vergleichen Sie.

Lesegeschwindigkeit erneut ermitteln